“Felix‘ Revolution” – Erzählung aus der Vorzeit von Christoph Assheuer

Lesung im Raum B,  Samstag, 20. Mai, 19.30 Uhr

Christoph Assheuer - Felix Revolution_UmschlagDer „deutsche Herbst“ ist 40 Jahre her. In dieser Zeit befand sich der Autor des Klak-Verlages plötzlich über Nacht unter den Meistgesuchten.

1977 werden nach der Entführung eines früheren Nazifunktionärs durch die Rote Armee Fraktion an einem einzigen Tag sechzigtausend Menschen mit entsicherter Maschinenpistole „überprüft“. Mit diesem Roman arbeitet Assheuer sieben Jahre in der Illegalität auf: Allein auf sich gestellt, wird sein Protagonist Felix Guthammer zum Außenseiter, der weiter für seine Ziele kämpft, aber gleichzeitig dem Druck der Verfolgung, hohen moralischen Ansprüchen an sich selbst und bizarren Projektionen ausgesetzt ist. Die Gefahr, dass er darin untergeht, ist groß. Der westdeutsche Staat umarmt seine Gegner so liebevoll, dass er sie manchmal erdrückt.

Ein Zielfahndungstrupp des BKA reist also durch Europa, um ihn zu stellen. Eigentlich absurd: Felix‘ Verbrechen besteht darin, dass er den Personalausweis an einen unbekannten Genossen „ausgeliehen“ hat. Hunderte Gruppen der Neuen Linken, Nulltarifkampagnen, Häuserbesetzungen, Stadtteilinitiativen, Frauenpower und Soligruppen mit der „Dritten Welt“ sind entstanden, die sich oft als Teil einer globalen Gegenmacht begreifen. „Gegengewalt“ gilt ihnen als legitim, wobei jeder zweite „Tatort“ heute mehr Gewalt versprüht als die Spontis mit ihrem Kommunen und Rückzugsgebieten nach der Parole „Nach innen zart, nach außen hart.“ Assheuer zeigt, dass das antiautoritäre Lager viel bunter war als der mediengeile Fokus auf die RAF suggeriert, der diesen Zeitgeist verfälscht.

Dieser im Klak-Verlag erschienene Roman ist eine Hommage an jene „zweiten“ Generation, deren Rebellion sich auf die Ablehnung von allem gründet, wofür ihre Nazi-Eltern standen, die in ihrem gesamten Lebensentwurf den Bruch mit der autoritären, lustfeindlichen Gesellschaft riskierte, die aus den Trümmern des deutschen Faschismus entstanden war. Was er dabei erlebt, ist nicht  so einzigartig, wie die Geschichte klingt, sondern die Beschreibung von zehn Jahren kollektiver Rebellion.

Der Autor beschreibt in Kapiteln wie „Von der Generation Rohrstock zur Generation Woodstock“ den Weg der BRD von einer nur oberflächlich demokratisierten zur heutigen offenen Gesellschaft. Und dabei macht das Lesen Spaß.

                 Rüdiger Rossig, TAZ

Felix‘ Revolution“ ist ein Buch, welches durchaus als Ergänzung zu Stefan Austs „Baader-Meinhof-Komplex“ gewertet werden kann, denn es ist aus der Perspektive eines nicht unbetroffenen Zeitzeugen entstanden. Der Autor zeichnet ein detailreiches Bild der jüngeren deutschen Geschichte.

     Shanghai Drenger, Radio Lotte, Weimar

„Ich glaube, dass manche gelernt haben, zu siegen, und etliche, zu fallen; aber es kann sein, dass diejenigen, die siegen lernten, fallen, und dass diejenigen, die fallen lernten, siegen. Weil der Mond den Schnee beleuchtet oder weil ein Hund bellt. Oder aber weil der Hund schweigt und die Nacht finster ist.“

Notizen eines Fabrikarbeiters aus dem norwegischen Widerstand, aufgezeichnet von Sigurd Evensmo in dem Buch „Englandsfarere“, Zürich 1946.

Infos zum Buch unter  https://felixrevolution.wordpress.com/

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